Gemeinde-&Vereinshaus Briesen (Mark)

Die Kersdorfer Schleuse und Umgebung

 

Zusammengefaßt und geschrieben von R. Kramarczyk

 

Die erste Idee einer Oder-Spree-Verbindung hatte Kaiser Karl IV um 1373. Aber erst Kurfürst Friedrich Wilhelm setzte das riesige Bauprojekt durch. 1668 wurde der nach ihm benannte Kanal eingeweiht und ein Jahr später für den Schiffsverkehr freigegeben. 200 Jahre später wurde der Kanal erweitert und die östliche Kanaltrasse völlig neu gebaut. Der Durchstich zwischen Flutkrug und westlicher Kanaltrasse erfolgte erst 1891, der Durchstich vom Flutkrug zum Kersdorfer See bereits 100 Jahre früher. Zwischen Briesen (Mark) und der alten Spree lagen ursprünglich Seen und Sumpfgebiete, die vom Mühlenfließ, der Spree und vom Grundwasser gespeist wurden. Die größten Seen waren der Kersdorfer See und der Gollingsee, der beim Autobahnbau trockengelegt wurde.

Bereits 1855 werden die fertig gestellte Flutbrücke und 1859 in der Fürstenwalder Zeitung der alte Flutkrug mit Gräbewiesen erwähnt. Mit dem Brückenneubau an der Kersdorfer Mühle von 1845 war ein fester Verbindungsweg zum Flutkrug entstanden. Damit war eine sichere Landverbindung vom Flutkrug / Kersdorfer See nach Frankfurt / Oder hergestellt. Bei dem Flutkrug handelte es sich um ein sehr altes Forsthaus mit Gasthof direkt an der alten Spree. In Briesen und Kersdorf werden zu dieser Zeit 4 Forsthäuser mit insgesamt
40 Seelen gezählt. Der Flutkrug ist heute das Gasthaus  „Forsthaus an der Spree“ , war lange Zeit Forsthaus und in den 70er und 80er Jahren der DDR ein abgesperrtes Staatssicherheitsobjekt des MfS zur Umschulung ehemaliger RAF-Terroristen. Heute ist das Gasthaus ein beliebtes Ausflugsziel. Die Flutbrücke wurde bei der Kanalverbreiterung von 1907 bis 1914 abgerissen. Damit gab es keine Verbindung zwischen Flut und Schleuse. Selbst die Schulkinder mussten täglich mit Booten übergesetzt werden. Inzwischen wurde die Flutbrücke im August 2001 wieder aufgebaut und ist für Fahrradfahrer eine schöne Verbindung zwischen Flut, der Schleuse und dem Rehhagen.

1862 baute Karl Gottlob direkt am Kersdorfer See eine Dampfschneidemühle (spätere Dorismühle). 1881 brannte die Mühle vollständig nieder und wurde neu errichtet. 1885 stirbt der Dampfmühlenbesitzer Karl Gottlob. Durch seine Mühle wurden Arbeiter angesiedelt und für deren Kinder wurde durch die Försterei ein Schulunterricht organisiert. 1887 beginnt die Ausschreibung für den neuen „Friedrich-Wilhelm-Kanal“, der am Kersdorfer See einen neuen Verlauf und eine Schleuse erhält. Die geplante Strecke beträgt 85 km, die Sohlenbreite 10 Meter und die Breite am Wasserspiegel 23 Meter. Leiter der Kanalarbeiten ist der Ingenieur Pränzel, der seinen Sitz in Neubrück hat (die Spreebrücke in Neubrück wurde schon 1882 fertig gestellt). Im Jahre 1888 überbrücken die Bauern die Sandfurt als Transportweg, da der Kanal dort entlanglaufen wird. Es entstehen zahlreiche Wohnbaracken für ca. 100 Kanalarbeiter und ein Bau-Restaurant (Inhaber A.Timm) entsteht. Der alte Spreeverlauf wird reguliert und begradigt (es entstehen in den alten Flussbiegungen zahlreiche tote Spreearme). Die alte Mündung des Kersdorfer See wird zugeschüttet und eine neue Fahrrinne wird ausgebaggert. Bei Ausschachtungsarbeitern für die Schleuse wird im Dezember 1888 eine Leiche gefunden. Die Kanalarbeiter kommen von überall her und sorgen hin und wieder in Briesen für Aufregung. So wird der Fleischermeister Dannies von Kanalarbeitern beraubt (140 Pfund Wurst und Speck), die aber gleich am nächsten Tag verhaftet werden. Nach nur einem Jahr wird eine Teilstrecke des Kanals mit Kersdorfer Schleuse eröffnet. Doch von Anfang an gibt es Probleme mit dem Bootsbetrieb und der Baufertigstellung. 1890 wird der Kanal öffentlich eingeweiht und am 1.Mai 1891 findet dann die offizielle Eröffnung statt. Im Jahre 1900, nach bereits 10 Jahren wird die Schleuse trockengelegt und saniert. 1904 wird die 2. Schleusenkammer eröffnet.

1893 wird das neue Gasthaus „Zur Kanone“ an der Mündung des Kersdorfer See eingeweiht. Der Inhaber ist Carl Schulz, der 1 Jahr später den Gasthof an seinen Schwiegersohn H. Hartwich übergibt. Die Besitzer wechseln in den folgenden Jahren ständig. Am Gasthaus befindet sich auf dem See ein Bootssteg für richtige Ausflugsdampfer und 1898 betreibt der neue Inhaber Louis Bordfeld einen eigenen Dampfer. Aus Fürstenwalde kommen weitere Ausflugsboote (F.Herrmann, A.Vowe, u.a.) und bringen ständig Gäste, meist Vereine.

1902 übernimmt der Dampfereigner Herrmann den Gasthof. Die „Kanone“ ist ein reiner Kunstname und gründet sich auf eine selbst gezimmerte Holzkanone, die im Gasthof stand. Es gibt zahlreiche Fotos und Postkarten mit dieser Kanone. Im Gasthaus war natürlich auch ein Tanzsaal angegliedert. Das Gebäude steht noch heute, ist jedoch baufällig und ungenutzt. Der 1996 asphaltierte Schleusenweg führt direkt am alten „Kanonengebäude“ vorbei.

Als die Schleuse gebaut wurde und viele Familien sich hier ansiedelten (Gasthof, Handwerk, Schleusen- und Kanalarbeiter, Dorismühle, Fischerei und Försterei) mussten die Kinder in einer Schule untergebracht werden.

In einer Backsteinbaracke unmittelbar in Schleusennähe wurde eine Schule eingerichtet. Die Backsteinbaracken stehen ebenfalls noch heute, sie sind jedoch inzwischen zu Ruinen verfallen. 1937 wurde am Rehhagen, neben den Schleusenhäusern, ein neues Schulgebäude gebaut. Die Schule wurde bis 1951 betrieben. Danach folgte eine Lebensmittelverkaufstelle. Davor sorgten kleine Versorgungsschiffe für die wichtigen Dinge der Schleusenbewohner. Paul Bähle, der ab 1913 das „Gasthaus zur Kanone“ betrieb, versorgte die Schleusenbewohner. Von 1928 bis 1945 übernahm Erich Beschednick die Versorgung per Boot. Den größten Aufschwung gab es zwischen den Weltkriegen. Dort stauten sich die Boote an der Schleuse und die Geschäfte der Anwohner blühten. Heute spielt der Oder-Spree-Kanal wirtschaftlich keine große Rolle mehr. Die Kersdorfer Schleuse soll zukünftig automatisiert und die Schleusenkammer verlängert werden. Als historisches Baudenkmal zieht die Schleuse unzählige Besucher, oft per Fahrrad oder Boot in seinem Bann.

Seit 1991 befindet sich in dem ehemaligen Schulgebäude das „Gasthaus am Rehhagen“ mit einem Anlegesteg für Sportboote und Blick auf die Schleuse. Am Rehhagen wurde um 1890 ein Backofen errichtet, der 2003 neu aufgebaut wurde. Heute wird der sanierte Backofen regelmäßig vom „Gasthaus am Rehhagen“ betrieben.

In den Sommermonaten kommen viele Sport- und Freizeitboote zur Kersdorfer Schleuse und besuchen das reizvolle Umfeld. 2008 sind die Sanierungs- und Umbaumaßnahmen der Schleusengebäude abgeschlossen und geben insgesamt ein abgerundetes Ambiente.

Freundeskreis der Ortschronik Briesen (Mark)

 

Alle Fotos und Grafiken sind urheberrechtlich geschützt. Kopien und Vervielfältigungen sind nicht gestattet !



Gemeinde-&Vereinshaus Briesen (Mark)